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Communication et conclusions

Kommuniqué zum Argumentationsthema « Bildung »


Zuletzt aktualisiert: 24 Mai 2016

Kommuniqué zum Argumentationsthema « Bildung »
Die Mehrsprachigkeit im Bildungsbereich

Das Sprachenpoblem ist besonders entscheidend im Bildungs- und Forschungsbereich, denn die heute getroffenen Entscheidungen haben strukturierende Auswirkungen auf mittlere oder längere Sicht, und zwar in zwei Schlüsselsektoren unserer modernen globalisierten Gesellschaften, der Zukunft ihrer Jugend und der Produktion der für ihre kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung notwendigen Kenntnisse. Leider ist zu beobachten, dass heutzutage in den Bildungseinrichtungen von der Vorschule bis zur Hochschule Sprachenpolitiken umgesetzt werden, die auf keiner wirklichen Reflexion fußen, und zwar gewöhnlich im Sinn einer Hegemonie des Englischen. So ist es dringend notwendig, die Bilanz der gegenwärtigen Lage zu ziehen und über die Zukunft nachzudenken, die wir uns wünschen. Zu dieser Debatte will die Europäische Tagung über Mehrsprachigkeit beitragen, insbesondere ihr Argumentationsthema 2, « Bildung, Hochschulunterricht und Forschung ».
Dieses Thema wurde in fünf Podiumsdiskussionen behandelt.
Die erste Podiumsdiskussion mit dem Titel « Berücksichtigung der Vielfalt der Sprachen und Kulturen in der Bildung und Ausbildung » zeigte in Beiträgen von forschenden Praktikern, die in allen Bildungsstufen arbeiten, dass es unmöglich ist, die große Bandbreite der Sprachen und Kulturen in den europäischen Bildungsstrukturen zu ignorieren und dass, indem sie anerkannt und aufgewertet wird, daraus ein Vorteil für den schulischen Erfolg der Schüler und also für ihren künftigen Erfolg in der Gesellschaft gemacht wird. Der Gewinn ist nicht nur individuell, sondern auch sozial, und zwar für die Begründung des Zusammenlebens in Europa. Deshalb plädiert die Europäische Tagung über Mehrsprachigkeit für die Berücksichtigung der Sprachenvielfalt im Bildungssystem.
Zu ihrer Verwirklichung muss die Vervielfältigung der Sprachen in die Curriculae der Bildungsgänge der europäischen Bildungssysteme und die Ausbildung der Lehrer Eingang finden. Dies war das Thema der Podiumsdiskussion « Curriculae für die Vervielfältigung der Sprachen » ? Ein Studium der Praktiken in Europa gestattet, drei oder vier große Modelle zu identifizieren. Die Tagung spricht sich für ein Bildungsmodell aus, das schon in der Grundschule mehrere Sprachen anbietet, deren Erlernung in der Sekundarstufe und in der Hochschule fortgeführt wird.
Die dritte Podiumsdiskussion mit dem Titel « Praxis der Mehrsprachigkeit in der Ausbildung » widmete sich der Frage, wie das konkret vor sich gehen kann. Mehrere Vorgehensweisen sind möglich, vom klassischen Präsenzunterricht bis zu einem ersten, spielerischen Kontakt mit den Sprachen und dem interkulturellen Erlernen in oder außerhalb der Schule, über die MOOCs (Massive offene Online-Kurse) oder Techniken des gegenseitigen Verstehens. Diese wenden das in der einen oder anderen Sprache schon Erlernte an, um andere Sprachen der gleichen Sprachenfamilie zu lernen, z.B. der romanischen, slavischen oder germanischen Sprachen. Die Tagung spricht sich für die Vielfalt der pädagogischen Herangehensweisen beim Erlernen der Sprachen aus.
Die Mehrsprachigkeit ist bei der Konstruktion und der Übermittlung der Kenntnisse von größter Bedeutung, insbesondere im Kontext der « Internationalisierung des Hochschulunterrichts », Thema der vierten Podiumsdiskussion. Wenn die internationalen Studiengänge auf eine oder zwei Sprachen reduziert werden, so bedeutet das eine beträchtliche Verarmung beim Erwerb und der Produktion der Kenntnisse. Anstatt die Einsprachigkeit des Englischen anzustreben, sollten die bestehenden internationalen Sprachen konsolidiert und auch anderen Sprachen gestattet werden, diesen internationalen Status zu erhalten. Die Tagung spricht sich für die Mehrsprachigkeit in der Universität und der Forschung aus, die allein die Entwicklung der kulturellen Vielfalt, die Achtung des Unterschieds und die Demokratie garantieren kann.
Hier stellt sich nun die entscheidende Frage der « Sprachenpolitik der Universitäten », das Thema der fünften Podiumsdiskussion. Bis heute sind diese Politiken eher Ausdruck jeweiliger Moden als Gegenstand gründlicher Überlegung. Einer ganzen Anzahl europäischer Universitäten ist es gelungen, eine reiche und vielfältige Sprachenpolitik umzusetzen, aber der Schwierigkeiten sind Legion, sowohl institutioneller, verwaltungstechnischer, pädagogischer als auch ideologischer Art. Es muss die Notwendigkeit betont werden, zuerst in der Landessprache zu lehren und zu forschen, um den Reichtum und also die Anziehungskraft zu bewahren, und dann in einer ganzen Anzahl von Sprachen, denn die wissenschaftliche Kreativität ist eng verbunden mit der Mehrsprachigkeit. Das Englische kann die Rolle einer lingua franca spielen, soll aber nicht die anderen Sprachen in der Lehre und der Forschung ersetzen dürfen. Die Europäische Tagung über Mehrsprachigkeit befindet, dass die Zeit gekommen ist, in der ein gesetzlicher Rahmen formuliert werden muss, der die Sprachenpolitik an der Universität strukturieren kann.
Vorschläge:
1. Bevorzugung der mehrsprachigen und interkulturellen Bildung zur Stärkung der Fähigkeit zum lebenslangen Erlernen von Sprachen
2. Belebung des Modells 1+2 (zwei Sprachen zusätzlich zur Unterrichtssprache), das 2002 vom europäischen Rat in Barcelona zur Hebung des Sprachenniveaus der Europäer angenommen wurde
3. Anwendung des Modells 1+2 von der Vorschule bis zur Universität
4. Vielfalt des Sprachenunterrichts, indem in der Grundschule mit dem Unterricht einer anderen Fremdsprache als englisch angefangen wird oder mit der Förderung von zwei Fremsprachen schon in der Grundschule
5. Ablehnung einer schwer kontraproduktiven zügellosen Anglisierung des Hochschulunterrichts, Entwicklung der Mehrsprachigkeit in der Universität und in der Forschung, denn nur sie kann die Entwicklung der Vielfalt der Kulturen, die Achtung des Unterschieds und die Demokratie garantieren
6. Verbot der Ersetzung der Landessprache durch das Englische im Hochschulunterricht, in der Forschung und den wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Wenn andere Sprachen verwendet werden, muss das in einem mehrsprachigen Rahmen geschehen, der die Hegemonie einer einzigen Sprache ausschließt
7. Einflussnahme auf die wissenschaftlichen Einrichtungen, um die Mehrsprachigkeit als Strategie zu etablieren

Allgemeines Schlusskommuniqué
Kommuniqué zum Argumentationsthema « Politik »
Kommuniqué zum Argumentationsthema « Kultur »
Kommuniqué zum Argumentationsthema « Wirtschaft und Gesellschaft »

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Allgemeines Schlusskommuniqué
Voll Kommuniqué

 Die 4. Europäische Tagung über Mehrsprachigkeit findet 2016 in Brüssel statt