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Notizen zum Schulbeginn


Zuletzt aktualisiert: 16 Sep 2016

1) Sprachliche Vielfalt herstellen

Zum Schulbeginn ist, was die Sprachen betrifft, in Frankreich das diesjährige Leitmotiv die Herstellung der Vielfalt.

Nachdem 25 Jahre lang das Englische überall in Europa immer stärker wurde, muss man in Frankreich auf den Minister Jack Lang zurückgehen, wenn man eine Amtszeit finden will (2000 bis 2002), in der Sprachunterricht in der Vielfalt ein wichtiges Anliegen war. In seinem 2003 veröffentlichten Buch Une école élitaire pour tous (Eine Eliteschule für alle) schrieb Jack Lang: « Die Erfordernisse des 21. Jhdts., die von allen die Kenntnis mehrerer Sprachen verlangen, verlangen auch von der Schule ein wichtiges Ziel: sie muss die Vielfalt der unterrichteten Sprachen erweitern.

Eine lebende Sprache zu erlernen heißt, eine Kultur zu entdecken, heißt, sich dem Anderen zu öffnen. Wenn man dieses natürliche Band zwischen Sprache und Kultur betont, muss man die Erweiterung der Vielfalt anstreben.

Kein objektiver Grund kann die Wahl des 'Nur-Englischen' rechtfertigen.

Lässt man also in der Grundschule nur eine einzige Sprache zu, gibt man vor, dass sie in allen Situationen genügt, in denen eine Fremdsprache notwendig und nützlich ist. Das ist aber ein Irrtum, der von einer schlechten Kenntnis der Realität herrührt. Die Kenntnis der englischen Sprache ist notwendig, aber sie genügt nicht. » (S. 260-261)

Zehn Jahre später ist zu beobachten, dass in 90 % der Grundschulen nur Englisch gelernt werden kann. Über 90 % der Schüler der Mittelstufe lernen Englisch als erste Fremdsprache.

Man erinnert sich an einen Minister, der laut rief, dass Frankreich zweisprachig werden müsse. Und ein anderer wollte probeweise Englischunterricht in den Vorschulen des Pariser 7. Arrondissements einführen.

Das 'Nur-Englisch' ist also kein Zufall, sondern auch Ergebnis einer bestimmten Politik.

Heute besinnt man sich auf etwas Vernünftigeres, aber für wie lange, und nachdem man knapp der Katastrophe entkam.

Im März 2015 verkündete die Ministerin das Ende der « zweisprachigen » Klassen (in denen man parallel, mit erhöhter Stundenzahl, zwei Fremdsprachen lernt) und nahm so den Schülern eine Möglichkeit, sich besonders zu qualifizieren.

Man erfährt nun zum Schulbeginn 2016, dass 1200 Grundschulen eine neue Fremdsprache anbieten werden, d. h. 20 % mehr als 2015. Nun bieten also 22,5 % der Schulen zwei Sprachen an, wovon, versteht sich, eine immer Englisch ist.

Aber was geschieht in der Mittelstufe und wird es noch « zweisprachige » Klassen geben?

Die Ministerin kündigt an, dass 750 Mittelstufenzentren (collèges) eine neue zweite Fremdsprache anbieten werden, davon 700 Deutsch; sie sagt aber nicht eindeutig, ob das in der 6. Klasse, im Anschluss an die Grundschule beginnen soll. Außerdem steht diese Ankündigung im Widerspruch zu ihrer Pressekonferenz vom 22. Januar 2016, wo von einer Schließung von 30 % der « zweisprachigen » Klassen die Rede war. Das ist unklar. Hat die Ministerin Fortschritte im Kommunizieren gemacht oder gibt es einen realen Fortschritt? In einigen Wochen wissen wir mehr.

Aber egal: in wenigen Monaten, nach der Wahl zum Staatspräsidenten, wird der neue Minister seine Ehre daransetzen, das Gegenteil seines Vorgängers zu tun. Das ist die Politik. Man muss zu allem bereit und immer wachsam sein.

2) Europa kommt nicht von der Stelle

Frankreich zagt und zögert, aber was geschieht in Europa? Europa geht vor und zurück, es kommt nicht von der Stelle. Wir haben das schon erläutert. Die englische Sprache breitet sich quantitativ, nicht qualitativ aus, während die anderen Sprachen, vor allem Deutsch und Französisch, zurückgehen, wobei dieser Verlust teilweise durch den Fortschritt des Spanischen wettgemacht wird. Es handelt sich selbstverständlich um Mittelwerte.

Versuchen wir eine Erklärung.

Die Mitgliedsländer der EU bilden im großen und ganzen drei Gruppen mit bestimmten Grundmerkmalen, die jeweils etwa ein Drittel ausmachen, was uns erlaubt, nicht jedes Land zu nennen.

Eine erstes Drittel folgte teilweise dem Beispiel Großbritanniens, wo es eine Pflichtfremdsprache nach der Mittelstufe nicht mehr gibt, wobei der Lernbeginn in die Grundschule vorgezogen wurde. Es gibt also Länder, in denen in der Grundschule begonnen wird, mit oder ohne Sprachenvielfalt, und eine zweite Fremdsprache in der Mittelstufe Pflicht- und in der Oberstufe Wahlfach ist. Dieses Modell, das das « Nur-Englisch » stark befördert, lässt für die zweite Fremdsprache, wenn nicht starke Traditionen vorhanden sind, nur noch Krümel übrig.

Ein zweites Drittel wählt den umgekehrten Weg. Auch hier wird in der Grundschule begonnen, doch die zweite Fremdsprache wird erst in der Oberstufe gelernt. Das bedeutet, dass in den ersten 8 Schuljahren das Englische unangefochten vorherrscht. Die 2. Fremdsprache als Pflichtfach für die Abiturstufe ermöglicht jedoch den Ansatz zu einer gewissen Vielfalt, die in der Hochschule ausgebaut werden kann.

Das letzte Drittel schließlich setzt konsequent das Modell um, das 2002 auf dem Gipfel von Barcelona erarbeitet wurde, nämlich mindestens zwei Fremdsprachen als Pflichtfächer vom Kindesalter bis zur Hochschule.

Zwei gewichtige Ausnahmen sind zu erwähnen.

Großbritannien spielt wie erwähnt mit einer einzigen Pflichtfremdsprache bis zur Mittelstufe eine Sonderrolle. Aber auch Spanien mit seiner einzigen Pflichtfremdsprache von der Grundschule zur Oberstufe steht allein da, was leicht zu erklären ist.

Alle Länder sind jetzt zum Lernbeginn im Kindesalter übergegangen, was ausschließlich dem Englischen zugutekommt, und in den meisten Fällen geschah diese Polarisierung zugunsten des Englischen auf Kosten der zweiten Fremdsprache in der Mittel- und Oberstufe. Im großen und ganzen ist der Gesamtaufwand der gleiche geblieben. Das Endergebnis ist völlig negativ, da keine Niveauanhebung zu beobachten ist (cf. Cambridge-Studie ESOL), außer in den sehr hohen Stufen der Hochschule (oberhalb Abitur+5).

Wenn die Ausweitung der Vielfalt ein Ziel ist, wie sie als Prinzip regelmäßig in den europäischen Instanzen Rat, Kommission und Parlament erwähnt wird, so muss diese Vielfalt schon in der Grundschule durchgesetzt werden, und zwei Fremdsprachen müssen bis zum Abitur Pflicht sein.

So dreht man sich seit 15 Jahren im Kreis. Manchen Ländern ist es ernst damit. In anderen unterzeichnen die Regierungen unverbindliche Erklärungen und machen, wenn sie wieder zu Hause sind, etwas ganz anderes.

Auf der europäischen Tagung zur Mehrsprachigkeit im Mai 2016 in Brüssel verabredeten wir, dass eine Initiative zur besseren Koordinierung der Sprachenpolitik im Erziehungswesen notwendig ist.

3) Mehrsprachigkeit und Kommunitarismus

Es existiert der Gedanke, dass die Möglichkeit, in der Grundschule arabisch, spanisch oder italienisch zu lernen, den Kommunitarismus fördere. Wir wollen das nicht diskutieren, um unsere Leser nicht zu beleidigen. Da aber in Frankreich die Präsidentenwahlen anstehen, ist von einigen Kandidaten solcher Unsinn zu erwarten.

4) Rückkehr zum Wesentlichen

Die Schwierigkeiten beim Lesenlernen sind ein gemeinsames Problem unserer westlichen Gesellschaften, das die OECD und die Europäische Kommission genau benannten, und das die Regierungen mehr oder weniger oder überhaupt nicht angehen.

In Frankreich wird geschätzt, dass etwa 20 % der Schüler beim Übergang von der Grundschule in die Mittelstufe die Mittel nicht besitzen, die eine normale Schulausbildung erfordert, und die Lage hat sich in den letzten 10 Jahren noch einmal verschlechtert. Diese 20 % werden später sehr wahrscheinlich Schulabbrecher. 20 % einer Jahrgangsstufe sind 150 000 Kinder, die jedes Jahr in die Wüste geschickt werden. Es ist dies selten ein Thema, und die Politiker, die sich wirklich um dieses Problem kümmern, sind an einer Hand abzuzählen. Es ist aber eine nationale Tragödie, eine individuelle und eine kollektive Tragödie. Will man das Problem in der Mittelstufe bewältigen, so ist das viel zu spät. Man weiß genau, dass in der Grundschule und sogar vorher noch reagiert werden muss, denn solche Defizite können schon bei kleinen Kindern erkannt werden.

Schulpolitik kann sich zwar nicht darauf beschränken, aber es handelt sich um eine gewaltige Herausforderung.

Wir fordern Sie deshalb auf, immer und überall, aber vor allem aus Anlass der bevorstehenden Präsidentenwahlen, die Erklärungen und Programme zu diesem Punkt genau zu prüfen. Das Bildungswesen ist die Mutter der Schlachten um die Zukunft.

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