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Ein neues Wörterbuch der Anglizismen


Zuletzt aktualisiert: 6 Jan 2020

Warum sollte man sich für Anglizismen interessieren, wenn man die Sprache nicht sakralisiert und versucht, sie als Museumsstück zu erhalten? Denn die Sprache ist ein lebendiges Organ, das unsere Beziehung zur Welt strukturiert und das selbst alle globalen Wandlungen und Wendungen erleidet.

Die Sprecher werden daher in den ihr eigenen Ressourcen oder in den anderen Sprachen die Mittel suchen, um zu verstehen und zu sagen oder zu schreiben, was sie zu sagen oder zu schreiben haben.

Alles geht sehr schnell in unserer Welt und derjenigen der geläufigen Vorstellungen, es taucht vielleicht eine neue pro Tag oder eine pro Woche auf, das ist schwer zu sagen.

Das jüngste Beispiel: uns, die wir uns für die aktuellen Ereignisse der Welt interessieren, gibt die Welle von Hass in den sozialen Netzwerken (und nicht nur) immer mehr Anlass zur Sorge. Also müssen die Typen, die rausschreien und beleidigen, anstatt zu reden, zu schreiben und zu argumentieren (wahrscheinlich zu reaktionär, konformistisch, kleinbürgerlich, elitär, großkapitalistisch oder was auch immer), irgendwie benannt werden. Und natürlich wird diese Bezeichnung ein "hater" sein (Laurent Delahousse im Fernsehen France 2 am 14. Dezember, mit einer Definition), vom Verb "to hate" (hassen). Zweifellos ist "hater" universell, während "haineux", sowohl Adjektiv als auch Substantiv (wie "amoureux"), verhängnisvollerweise französisch, also "provinziell" ist.

Vielleicht wird "hater" nur verübergehend benutzt werden, und vielleicht sogar nur in diesem einzigen Fall. Aber das ist nicht sicher, da es sich nicht um einen Einzelfall handelt.

Mitglieder der Académie française und die Académie selbst zeigen sich besorgt, und selbstverständlich erregt ihre legitime und vernünftige Reaktion fünf Minuten lang die Aufmerksamkeit und wird dann schnell als Nachhutgefecht eingeschätzt, ja als Kampf gegen Fortschritt und Moderne, Begriffe, die in anderen Bereichen im Namen der Postmoderne als überholt gelten.

Jedenfalls ist es legitim, sich zu beunruhigen, aber es ist doch besser zu versuchen, die Prozesse zu identifizieren, die uns zu diesem gigantischen, universellen Kauderwelsch führen, so sehr kauderwelschartig und so sehr universell, dass wir uns irgendwann gegenseitig nicht mehr verstehen werden. Dies ist eine der Interpretationen von Babel. In einer eigenen, aber von Arabischspezialisten bestätigten Übersetzung zitiert François Rastier die Sure Die Gemächer des Korans, in der es im Vers 13 heißt: "Wir haben euch in Sprachen und Nationen eingeteilt, damit ihr voneinander lernen könnt". Moderne Übersetzung: Kauderwelsch ist kein wirksames Mittel der Kommunikation und des Austauschs.

Die Sprachwissenschaftler erinnern zu Recht daran, dass die Sprachen weitgehend aus Entlehnungen bestehen, insbesondere das Französische.

Was uns auffällt, ist, dass die Entlehnungen von den Linguisten fast immer als Bereicherung eingeschätzt werden. Und das ist es, was wir überprüfen wollen, und gleichzeitig wollen wir die Transformationsprozesse verstehen. Was sind sie genau und was sind die Faktoren, die sie anstoßen?

In diesem Leitartikel werden wir bei dieser Untersuchung nicht sehr weit kommen können. Wir zeigen nur einige Beispiele, die uns beschäftigen.

Das eingangs erwähnte Beispiel ist bereits recht aufschlussreich, und da es nicht wie eine Entlehnung aussieht, sind alle Hypothesen erlaubt.

Zunächst einmal haben wir es mit einer neuen, und zwar doppelten Realität zu tun. Zum einen haben die sozialen Netzwerke nur wenige Jahre gebraucht, um sich im sozialen Leben zu etablieren und das politische Leben tiefgreifend zu verändern. Zweitens könnte die Welle des Hasses, die wir erleben, in den traditionellen Medien nicht in der gleichen Weise stattfinden. Früher war dies Schriftstellern und Journalisten vorbehalten, aber mit den sozialen Netzwerken ist die öffentliche Stimme für alle fast kostenlos zugänglich. Dennoch hat das soziale Netzwerk seine Bezeichnung ohne Schwierigkeiten auf Französisch (und in allen Sprachen) gefunden, und Hass ist nicht wirklich eine neue Tatsache. Neu ist die Kombination von Hass und sozialem Netzwerk. Also muss ein neues Wort her für die Menschen, die so hassen. Vielleicht. Vielleicht hatte in den USA jemand die Idee "hater" von "to hate" abzuleiten. Im Französischen wäre es schwierig, von "haïr" "haïsseur" (wie in "envahisseur") abzuleiten, denn wir haben bereits "haïssant" wie "amant" (aber nicht "aimeur") und "haineux" (wie "amoureux"). Es mangelt also nicht an Möglichkeiten, und die sind elegant genug (denn "amant" ist nicht ganz dasselbe wie "amoureux", und vielleicht gibt es auch Nuancen zwischen "haïssant" und "haineux"). Jedenfalls ist es der Gebrauch, der Sinn verleiht, und die Antwort auf die Notwendigkeit eines neuen Begriffs kann ebenso in einem neuen Wort gefunden werden, wie in einer neuen Ableitung ("haïssant" ist zur Zeit noch eher als Partizip Präsens denn als Substantiv einsetzbar) oder einfacher, indem man einem bereits existierenden Wort eine neue Verwendung gibt. Die Ökonomie der Sprache ist fast immer die Suche nach Einfachheit, sie sucht viel zu verändern mit so wenig Veränderung wie möglich. Daher muss der Vorzug bei der neuen Verwendung eines bereits existierenden Wortes liegen.

Natürlich wissen wir absolut nicht, was mit diesem Neuankömmling geschehen wird, aber fragen wir uns, warum er in Form eines Anglizismus in die französische Sprache kommt, anstatt einer Lösung, die direkt aus dem, was wir das Genie der Sprache nennen, entspringt und von dem das Französische übefließt.

Überprüfen wir zunächst einige der Klischees, die wir bis zum Überdruss vorgesetzt bekommen.

Das Englische ist leichter, kürzer, direkter.

Wie Claude Hagège kürzlich in einem Interview erklärt hat, können nur Leute, die es nicht oder schlecht sprechen, einen solchen Unsinn reden. Englisch ist in Wirklichkeit phonetisch sehr schwierig und eine sehr idiomatische Sprache. Es ist einfach zu überprüfen, wenn man einen Artikel der Zeitschrift Time oder des Guardian liest. Wäre das Argument der Einfachheit oder der Nähe irgendwie plausibel, wären die Franzosen längst auf Italienisch umgestiegen. Man könnte nuancieren, indem man von basic english oder von globish spricht, aber basic english ist kein Englisch, es sieht nur so aus, und wir reden hier nicht von spezifischen Anwendungen wie dem Schreiben von Wetterberichten oder Kommentaren zu einem Fußballspiel, bei denen man mit 150 bis 300 Wörtern auskommen sollte.

Zweites Argument, das uns hin und wieder aufgetischt wird: das Wort gibt es nicht im Französischen (natürlich kann jeder Leser die Übertragung in eine andere Sprache vornehmen und wird die gleiche Beobachtung anstellen). Wir haben gerade gesehen, wie es darum steht. In Wirklichkeit gibt es die Wörter, sie sind verfügbar, aber wenn man seine eigene Sprache nicht kennt, kann man tatsächlich glauben, dass das Wort oder die Wörter nicht existieren. Vielen unserer Französisch-Sprecher fehlt nämlich tatsächlich ein Grundwortschatz, was sie dazu bringt, das Wort, das sie hören, ohne weiter zu fragen anzunehmen. Es gibt in der Tat zwei Publikumsgruppen. Es gibt die oft älteren Menschen, die wenig "vernetzt" sind, und dagegen ein jüngeres, sehr "vernetztes" Publikum, mit rudimentärem Französisch, und für das die Vermischung in der alltäglichen Rede von französischen mit englischen oder dem Englischen ähnlichen Wörtern ein Marker ist, nicht für eine "Unterscheidung" im Sinne Bourdieus, sondern für eine gefühlte "Überlegenheit", wie die Temperatur im Wetterbericht, und doch eine so "künstliche". Bei den mittleren und oberen Schichten dieser Kategorie kann eine kleine Dosis Snobismus dazugegeben werden, wobei der Anglizismus als Zeichen von Bildung erscheint und wo der Nachahmungseffekt in Banden, Gruppen, Netzwerken und professionellen Teams voll zur Geltung kommen kann. "Up to date" zu erscheinen, passt gut zur Kulisse. Ihr Weltbild ist global strukturiert durch die Winde von der anderen Seite des Atlantiks, die über die Werbung sowohl Hyperkonsum als auch ein vor Jahrzehnten schon rein imaginär gewordenes Eldorado herüberblasen.

Der Wiederholungseffekt, der sowohl durch die Ausgangsbotschaft als auch durch die Nachahmung hervorgerufen wird, übt eine Hebelwirkung auf diese Art von Publikum aus und sorgt für eine optimale Verbreitung der neuen Begriffe. Nachahmung und Unterscheidung schließen sich nicht aus, sondern verstärken sich gegenseitig. Ob es Claude Hagège gefällt oder nicht, es ist da Leichtigkeit und die Illusion von Leichtigkeit im Spiel. Und genau da entsteht durch die Wiederholung derselben Laute und derselben Worte am Ende der Eindruck von Leichtigkeit, die Grundlage für Assimilation und Lernen. Je nach ideologischem Kontext kann dieses Phänomen auch als Rausch, Indoktrination, Konditionierung, Training, Tränken, Füttern etc. bezeichnet werden. Wenn wir "Flaschennahrung" sagen, führen wir gleichzeitig Nuancen von Vergnügen, Irenismus und Abhängigkeit ein, die an die frühe Kindheit gebunden sind, was uns unserem Thema näher bringt, denn die sehr große Abhängigkeit von der Kommunikation ist ein Charakteristikum der Zeit, in der wir leben, und sie entsteht schon in sehr jungen Jahren.

Um die Überlegungen zu erweitern, sagen wir, dass es einen Effekt des Milieus gibt. Damit die Wiederholung ihre volle Wirkung entfalten kann, muss ein günstiges Umfeld vorhanden sein.

1928 verfasste Edward Bernays seinen berühmten Aufsatz Propaganda1, für Noam Chomsky "das klassische Lehrbuch der Public-Relations-Industrie", in dem "zynisch und ohne Umwege die Hauptprinzipien der Massenmanipulation oder das, was Bernays die 'Fabrik der Zustimmung' nannte, dargelegt werden. Wie kann man eine neue Waschmittelmarke durchsetzen? Wie bekommt man einen Präsidenten gewählt?"2 Alle Techniken der totalitären Gewalt (Goebbels hat sich davon stark inspirieren lassen), aber auch der Unternehmenskommunikation und der modernen politischen Kommunikation finden sich darin wieder. Es ist jedoch nicht sicher, dass alles, was man über Public Relations und Marketingtechniken wissen muss, für unser Thema von großem Nutzen ist, denn diese Techniken sind in der Reichweite aller Mächtigen dieser Welt, ob es nun Trumps USA, Putins Russland oder Xi Jinpings China sind.

Wir wollen drei Phänomene hervorheben.

Die Geopolitik, die von wesentlicher Bedeutung ist, darf nicht vernachlässigt werden. Es war kein engstirniger Anti-Amerikaner, der schrieb, dass Europa nur "der Brückenkopf der amerikanischen Macht und das Sprungbrett für die Erweiterung des demokratischen Weltsystems in Eurasien" sei, es war der große Experte und Berater des Präsidenten der Vereinigten Staaten von 1977 bis 1981, Zbigniew Brzezinski3. Mit einem Militärhaushalt, der 40 % der weltweiten Verteidigungsausgaben ausmacht, das 7-fache der russischen und das x-fache der chinesischen Ausgaben, hat sich die Situation nicht grundlegend, wenn auch in zahlreichen kontextuellen Elementen, geändert. In der Antike hinderte das römische Imperium die griechische Sprache nicht daran, über Jahrhunderte hinweg zu glänzen und von den römischen Eliten geteilt zu werden.

Natürlich gibt es eine wissenschaftliche Dominanz. Aber diese Dominanz ist bei weitem nicht vollständig. Andererseits reichte diese Dominanz dafür aus, dass sich das Englische als Sprache der wissenschaftlichen Gemeinschaft durchsetzte. Manche behaupten, dass Englisch das Latein von heute sei. Das stimmt insofern nicht, als die jahrhundertelange Vorherrschaft des Lateinischen in der Gelehrtenwelt in keiner Weise die Entfaltung der "Vulgärsprachen" behinderte, und Descartes schrieb seine Abhandlung über die Methode zunächst auf Französisch und veröffentlichte ihn später auch auf Latein. Ebenso war die Geschichte der französischen Sprache nie ganz an die politische Geschichte der französischen Nation gebunden.

Also müssen wir uns woanders umsehen. Es gibt die Globalisierung. Aber von welcher reden wir?

In den achtziger Jahren führte eine ganze Reihe von Konzernen, die ihre internationalen Wurzeln markieren wollten, Englisch als offizielle Sprache ein, da sie wohl dachten, dass Anonymität eine gute Marketingidee sei. Einige dachten, der Nationalstaat befinde sich im Abstieg und damit auch die Demokratie, und sahen im Absoluten des Markts die einzige Möglichkeit, das allgemeine Interesse (ihres) zu erreichen. Diese Bewegung ist abgeklungen. Für Unternehmen ist Englisch jedoch nicht mehr Gegenstand der Diskussion. Sobald ein Unternehmen, ob groß oder klein, international agieren will, kommt es nicht ohne Englisch aus, aber das ist nicht der Punkt. Der linguistische Bedarf ist nicht auf Englisch beschränkt, sondern hängt von den Gebieten, Kunden und Partnern ab. Die Zweitsprachen (nichts hindert daran, sie als erste zu lernen) sind bereit für die professionnelle Entwicklung und Leistung des Unternehmens.

Außerdem ist die Frage keine rein Sprachliche. Die gewünschten Fähigkeiten sind auch kulturelle. Es ist notwendig, die jeweiligen Werte, Verhaltensweisen, hierarchischen Beziehungen, Verhandlungen usw. zu verstehen. Englischkenntnisse reichen unter diesem Gesichtspunkt nicht aus.

Besorgniserregend ist also die Tatsache, dass die Meinungen weit hinter der Realität der Unternehmen selbst zurückbleiben.

Also müssen wir in noch andere Richtungen schauen.

Vom Milieu zum Reflex, der durch die Wirkung des technologischen Drucks und die Mastodonten der Massenkultur bedingt ist, ist das Feld weit, zu weit für diesen bescheidenen Artikel.

Nehmen wir unsere "zehn unumgänglichen Serien des Jahres 2019", die im Le Monde-Verlag erscheinen, und schauen wir uns einfach die Titel an: "Fleabag" (auf Amazon Prime Video), "Mindhunter" (auf Netflix), "The Good Fight" (auf Amazon Prime Video), "Succession" (auf OCS on demand), "Pose" (auf Canal+ Séries), "Transparent" (auf Amazon Prime Video), "Too Old to Die Young" (auf Amazon Prime Video), "What We Do in the Shadows" (auf Canal+), "Russian Doll" (auf Netflix), "Il Miracolo" (auf Arte). Man suche den Fehler!

Ein weiterer Einfall in die neue Welt, auch aus der Zeitung Le Monde, Tausende von Eltern rufen "Hilfe, mein Kind ist süchtig nach ‘Fortnite’"!

Denn das Spiel des "battle royale" hat die 8-12-Jährigen erobert, zur großen Verzweiflung einiger Eltern, die ihre Bengel nicht mehr verstehen, die mit ihren Kopfhörern die Joysticks nicht mehr loslassen und unverständliche Dinge brüllen. Gleichzeitig prangern zahlreiche übereinstimmende wissenschaftliche Studien die verheerenden Auswirkungen des kleinen Bildschirms auf die Gehirne von Kleinkindern an.

Beeindruckend, nicht wahr? Wir schlagen ein anderes Spiel vor: Zählen Sie die Anzahl der Anglizismen, die diese Videospiele mitbringen.

Sollte denn die globale Bestimmung einer Sprache nicht von ihrer Fähigkeit (oder vielmehr von der Fähigkeit ihrer Sprecher) abhängen, die Welt zu erzählen? Das Problem so zu stellen, ist nicht absurd, da es ein wenig die Geschichte des Griechischen und Lateinischen darstellt. Man würde erkennen, dass Englisch nicht allein ist (war es das jemals?), und dass es sogar viele Kandidaten gibt, mag es unseren Schafen des Panurge, unseren Millionen von Lemmingen, die vom kleinen Bildschirm fasziniert sind, oder unseren Medienspezialisten der unmittelbaren Welt recht sein oder nicht.

Dabei würde die amerikanische Dampfwalze eher dem Dickhäuter als dem Geparden ähneln, es sei denn, es ist die Windmühle. Schon seit geraumer Zeit können die USA nicht mehr beanspruchen, die Welt zu beherrschen, da sie in ihrer eigenen abgeschlossenen kulturellen Welt leben.4

Aus diesem Grund fordern wir unsere Leser auf, sich das neue Wörterbuch der Anglizismen anzusehen, das das EFM in Zusammenarbeit mit Défense de la langue française herausbringt: Ein Beitrag dazu, das Phänomen besser zu verstehen und vielleicht auch besser zu meistern.

https://nda.observatoireplurilinguisme.eu/

1Edward Bernays (1928), Propaganda, aus dem Englischen ins Französische übertragen von Oristelle Bonis und neu aufgelegt in Frankreich im Verlag La Découverte/Zones, Paris, 2007

2Vorsatzblatt der französischen Ausgabe.

3Zbigniew Brzezinski (1997), Le grand échiquier, Librairie Arthème Fayard/Pluriel, Paris, 2010

4Siehe z.B. Les Américains, Michel Jobert, Albin Michel, 1987; Après l’Empire, Emmanuel Todd, Gallimard, 2002